Neuer Essay auf Neopopulismus.de:
Der Titel dieses Beitrags will auf eine scheinbar zeitlose Frage hinaus, mit der sich wahrscheinlich die meisten engagierten Schreibenden immer wieder auseinanderzusetzen haben:
Kann durch Schreiben überhaupt erreicht werden, was ursprünglich zum Schreiben motiviert hat? Wie sehr geht es beim engagierten Schreiben um Schreiben und Verstehen – oder steht die Wirkung des Geschriebenen von Anfang an im Vordergrund?
Doch bevor es um diese eigentlichen Fragen gehen kann, wäre natürlich erst noch zu klären, was in diesem Essay unter engagierten Schreibenden zu verstehen ist. Darunter ist natürlich grundsätzlich alles mögliche vorstellbar: engagiert schreiben können investigative Journalistinnen und Journalisten1 oder öffentlichkeitswirksame Aktivistinnen und Aktivisten jeglicher Couleur, deren Aktivismus sich schreibend ausdrückt; Sachbuchautorinnen und -Autoren zu Themen, die sie aus eigenem Sendungsbewusstsein anderen nahebringen möchten; vielleicht können sogar Internet-Aktivistinnen und -Aktivisten („Slacktivism“), deren Aktivismus im Kern auch aus geschriebenen Botschaften besteht, zur weitesten Gruppe engagierter Schreibender gezählt werden; und viele mehr.
Mir geht es hier aber nicht um alle vorstellbaren Formen aktivistischen, motivierten oder sendungsbewussten Schreibens – und am allerwenigsten um Textsorten, die zweifellos wirken, indem sie über plattformkapitalistische Algorithmen mit ihren Buzzwords und Hashtags verstärkt und über sogenannte Soziale Medien propelliert werden; damit setze ich mich unter der Kategorie NEOVOX auseinander, werde aber ganz zum Schluss dieses Essays auch noch einmal auf die nicht ausblendbaren Konsequenzen dieser neuen Medialisierung für das Schreiben insgesamt zurückkommen.
Hier betrachte ich unter engagierten Schreibenden insbesondere zwei Gruppen: erstens geht es mir, quasi in eigener Sache als permanent schreibender Forscher und Befürworter von Open Science, um forschende Schreibende – also um Akademiker, die in ihrer Forschung und ihrem Schreiben einer starken intrinsischen Motivation folgen. Zweitens geht es mir aber auch um literarische Schreibende, das heißt um Autoren von Romanen oder auch Lyrik, die sich mehr oder weniger abstrakt, semi-fiktional oder wie auch immer verfremdend als Autoren zu historischen, politischen und sozialen Thematiken ausdrücken, dabei aber nicht dem Genre akademischen Schreibens oder der Sachbuchliteratur zuzurechnen sind.
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