The Trash-President, 2.0

Wie lange wird einem dieses schreckliche Bild nicht aus dem Kopf gehen? Farblich dominiert wird es von Nuancen zwischen Urin, Goldbarren und billiger Bräunungscreme. Ästhetisch liegt alles arg nah am Kitsch: einer Form von Nicht-Ästhetik, die vielleicht niemand so gut beschrieben hat wie Slavenka Drakulić, nachdem sie das Badezimmer von Zoia Ceaușescu im Bukarester Parlamentspalast inspiziert hatte. Nur kommen hier die Protagonisten der Kitschszene nicht, wie bei den Ceaușescus, aus dem Bäuerischen. Hier entstammen sie einem Milieu, das ungleich unanständiger, verdorbener ist — und zwar mit ziemlicher Sicherheit über Generationen hinweg. Der nicht kurierte Geld- und Goldrausch mindestens dreier Generationen hat in diesem Bild unübersehbare Spuren hinterlassen.

Die Szene spielt sich natürlich nicht in Südosteuropa ab, sondern im Tempelbezirk zu Washington. Das demokratische Amerika — ist es denn jetzt eigentlich noch demokratisch? — unterhält sich, mittlerweile zum zweiten Mal, einen Trash-Präsidenten. Er wird flankiert von einem Hofnarren mit Basecap (was voraussichtlich nicht lange gut gehen wird), umgeben von meist blonden Lakeien, mit kreideweißen Gebissen bewehrt. Stolz wiehern sie in die Kameras: Make America Great Again. Und doch bewirken sie das genaue Gegenteil.

Bildquelle: Screenshot.

In diesem bleibenden Bild des amerikanischen Niedergangs sitzt Trash-Präsident auf einem opulenten Stuhl, geschmacklos bezogen in der Farbe von Rauschgold. Links neben ihm sitzt Wolodymyr Selenskyj mit verschränkten Armen, rechts neben ihm JD Vance. Letzterer wirkt auf mich immer ein wenig wie ein Ex-Meth-Junkie, entstiegen aus einer der hellsichtigen Quality TV Serien, die dieses Land paradoxerweise hervorgebracht hat. Ob dieser Mann eines Tages das Ruder herumreißen wird?

Der Trash-Präsident hat seinen Hintern in Richtung Kante geschoben. Er scheint zu pressen. Narzisstischer Zorn steigt ihm darüber ins feiste Haupt. Die Hände hat es zum V gefaltet, sie deuten zum Boden. Er steht ganz klar unter Druck — aber es ist kein Druck wie der seines Gastes, den Putin 2022 hatte ermorden wollen, der sein angegriffenes, bald mit Sicherheit zerteiltes Land verteidigen muss. Es ist ein krankhafter, böser Druck. Superbia, Avaritia, Luxuria, Ira, Gula, Invidia, Acedia: Etwas von jeder einzelnen der sieben Todsünden steckt in diesem pressenden, zornigen, kaputten alten Mann.

Immer wieder muss ich in Verbindung mit diesem Bild an die zwar späten, dann aber umso treffsichereren Worte eines Familienmitglieds denken. Besagte Verwandte ist früher begeistert in die USA gereist. Sie schwärmte von Landschaften und Burgerläden, Smalltalk und Freundlichkeit, sie konnte sich sogar für amerikanische Schokolade begeistern, mit der sie uns an Weihnachten überflutete (was allerdings auf wenig Gegenliebe stieß). Meine eigene USA-Reise lag hinter mir, die erste Runde des Trash-Präsidenten war inzwischen angebrochen. Wir kamen auf diese nicht unerhebliche Veränderung zu sprechen. Es kam die Frage auf, ob man unter Bedingungen des Trashidentialismus — ich nannte das damals so, weil ich das Wort „Präsident“ unpassend fand — dorthin reisen wolle oder müsse. In (West-)Deutschland, wo wir als Kinder begeistert zu den Zelten amerikanischer Militärmanöver gerannt waren, wo fast jeder Trend kritiklos übernommen wurde, wenn er nur aus den USA kam, wollen solche Überlegungen etwas heißen. Meine Verwandte (nur zwei Jahre älter als ich) stellte energisch klar, dass sie doch nicht „wegen Trump“ aufhören würde, in die USA zu reisen!

Trash-Präsident Trump konnte einem damals, vielleicht, wie eine Episode vorkommen. Einige Jahre später sah das ganz anders aus. Im letzten Herbst, kurz vor der zweiten Inthronisierung des Trash-Präsidenten, brachte es dieselbe Frau, die sich früher nicht für Politik interessierte, vollkommen auf den Punkt. Der karnevaleske US-Wahlkampfzirkus lief gerade auf Hochtouren. Als könnte der Rest der Welt mitwählen, wurden auch hier die Headlines täglich mit den neuesten, geschmacklosen Details aus den USA geflutet. Es war so unerträglich, dass man sich immer wieder fragte, wie das amerikanische Elektorat nur erneut an die Kante eines solchen Abrunds hatte geraten können. Gleichzeitig war man vorsichtig, war doch eine gewisse Demut vor den Entwicklungen im eigenen Land angebracht.

Meine Verwandte kommentierte die Performance des künftigen Trash-Präsidenten jedenfalls folgendermaßen:

„Alles, was aus seinem Mund kommt, ist Scheiße.“

Nur, falls sich jemand fragt, was er da presst.


PS: Ein noch viel schlimmeres, weil genozidales Bild, das aber in einen anderen Text einfließt, ist selbstverständlich die unfassbare Gaza-Vision des Trash-Präsidenten. Ich merke es hier an, denn nicht zuunrecht wird europäische Empörung über die Ukraine bei gleichzeitigem Schweigen zu den Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza (im Westjordanland, im Libanon) als Janusköpfigkeit des Westens, Verlogenheit, doppelte Standards und letztlich als Aufllösungserscheinung des westlichen Scripts bezeichnet. Dies ändert jedoch nichts am obigen Befund, sondern bestätigt ihn. Also noch einmal:

„Alles, was aus seinem Mund kommt, ist Scheiße.“

Image by Gabriel Douglas from Pixabay

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