Du sitzt also seit langem mal wieder stundenlang in einer öffentlichen Bibliothek, zum lesen, schreiben, recherchieren, arbeiten. Letzteres sollte man nicht unbedingt für eine Selbstverständlichkeit halten, gar eine Tautologie: Was sonst tun Erwachsene in einer Bibliothek? Wer in Berlin studiert hat, weiß, dass Bibliotheken besonders gerne auch als Catwalk genutzt werden. Da geht es selbst auf den Toiletten manchmal um wirklich ganz, ganz andere Dinge, als man es sich vielleicht vorstellen mag. Doch der reine, echte Berliner Hedonismus war gestern -- schwere Corona-Schäden sind heute. Überall Ticks: Der Eine schreit kurz auf, die Nächste stöhnt in Alliteration. Wie selbstverständlich wird mit Baba telefoniert, das nächste Eck erteilt sich Community Services, miserables Englisch inbegriffen. Hier wird laut gescreenschottet, sich geräuspert -- dort unbotmäßig genießt, von FFP2-Masken entsetzt gestarrt. Dazwischen quiekt es -- und nirgends funktionieren Haptik, Feinmotorik: Dinge fallen, sie stürzen zu Boden, sie klappern, sie scheppern. Mit hohem Schuhwerk wird gestöckelt, Laptops laut zugeklappt, und die Türe, ach, die knall' ich.
[Hermannova] Mit Maske gegen die Geruchslandschaft (und gesund ist es ja auch noch)
Alle reden vom Stadtbild, mich plagt eher die Geruchslandschaft, um es zunächst freundlich auszudrücken. In der Rauch- und Saufhauptstadt Europas finden sich Gestänke von Drogen, Tabak, Urin, Bierscherben, Kot, nekrotösen Beinen und anderem. Das stinkt einem zu jeder Jahreszeit, in jedem Bezirk, in der S-Bahn genauso wie beim Einkauf, auf den Straßen, in den Parks und wo überall nicht. Vor selbsterklärten SozPäds mit super Lösungen wimmelt es, während die Regierung weiß, dass man gar nichts machen kann -- außer den Geldhahn zuzudrehen.
[NEOVOX] Die Waffen aus „High School Radical“, Zohran Mamdani als Messias, die Räusche des Jubeldschornalismus — und was uns der Kater noch bringt
Die berauschende Wirkung der Betrachtung Amerikas nach der Mamdani-Wahl mag eine spezifisch deutsche Note haben. Sie stillt aber bestimmt auch ein globales Bedürfnis nach Hoffnung, nach Feelgood, und zwar so, wie es Drogen tun: zur Selbstmedikation gegen die Übertrumpung. Doch wie fair ist es, Zohran Mamdani mit den Erwartungen an einen Heilsbringer zu überfrachten? Was ist vom journalistischen Echo zu halten – und welche Gefahren drohen aus einer waffenstarrenden und polarisierten Gesellschaft?