[Yorum] Novemberisches Grauen im Inneren einer Berliner Bibliothek

Du sitzt also seit langem mal wieder stundenlang in einer öffentlichen Bibliothek, zum lesen, schreiben, recherchieren, arbeiten. Letzteres sollte man nicht unbedingt für eine Selbstverständlichkeit halten, gar eine Tautologie: Was sonst tun Erwachsene in einer Bibliothek? Wer in Berlin studiert hat, weiß, dass Bibliotheken besonders gerne auch als Catwalk genutzt werden. Da geht es selbst auf den Toiletten manchmal um wirklich ganz, ganz andere Dinge, als man es sich vielleicht vorstellen mag. Doch der reine, echte Berliner Hedonismus war gestern — schwere Corona-Schäden sind heute. Überall Ticks: Der Eine schreit kurz auf, die Nächste stöhnt in Alliteration. Wie selbstverständlich wird mit Baba telefoniert, das nächste Eck erteilt sich Community Services, Anglais misérable. Hier wird laut gescreenschottet, sich geräuspert — dort unbotmäßig genießt, von FFP2-Masken entsetzt gestarrt. Dazwischen quiekt es — und nirgends funktionieren Haptik, Feinmotorik: Dinge fallen, sie stürzen zu Boden, sie klappern, sie scheppern. Mit hohem Schuhwerk wird gestöckelt, Laptops laut zugeklappt, und die Türe, ach, die knall‘ ich.

Hinterlasse einen Kommentar

Website bereitgestellt von WordPress.com.

Nach oben ↑