Eine neue bosnische Bekannte und Autorin bei Bosnien in Berlin namens Alma, deren positiver und ressentimentfreier Spirit mich sehr motiviert, hat vor kurzem etwas fast Banales gesagt: Wir können Kriege nicht verhindern. Aber wir können mit dem Schreiben über Krieg vielleicht einen Menschen erreichen, und damit wäre auch schon viel erreicht. Ja, klingt erst mal sehr einfach, aber das mindert es nicht.
Ich denke natürlich nicht, dass in dem Sinn das elende Influencertum viel „erreicht“, indem es sich eine Art Ping-Pong-Resonanz für eigene Gefühle verschafft, und dabei in wenigen Jahren (da bin ich mir sicher) an sich selbst seelisch aufreibt und zugrunde geht. Mir tun diese Leute auf eine unklare Weise leid, weshalb ich versucht habe, sie auch in dem Text unterzubringen; aber ich schätze, sie bräuchten eine ganz andere Behandlung.
Ich weiß teilweise überhaupt nicht mehr, was noch zu denken oder zu tun ist, meistens nach dem Aufwachen, und angesichts der sofortigen Gedanken an die Sackgesichter. Und dann ändert es sich wieder sehr schnell, wenn ich mich nämlich an die Notizbücher oder die Tastatur setze. Ich denke immer an andere Schreiber und wie sie über ihr Schreiben sprechen, die ich im Gegensatz zu mir selbst für „echte Schreiber“ halte, woraufhin ich mich gleich zwinge, nicht so zu denken. Wie gehen sie mit der Sackgesichtigkeit um? Wie schreibt es sich dabei? Geht man davor in den Botanischen Garten, wo ich am liebsten einziehen würde? Rasiert man sich täglich, oder lassen die sich auch mal das Haar durchfetten? Und wenn es dann soweit ist, wohin richtet sich das alles noch, wo doch *Beep, negativer Gedanke*.
Heute denke ich, dass man bei all dem hirn- und seelenlosen Wahnsinn zuerst Krokusse und Narzissen genießen und fotografieren sollte, denn was kann man dafür, dass es draußen auf einmal so unfassbar schön ist; dass es nicht Pech vom Himmel regnet? Und weil es noch nicht so viele Krokusse und Narzissen gibt und ich gerne (auch mal tagelang) am Schreibtisch versacke, habe ich auf dem sehr langen Weg in Park und Wälder etwas geschrieben, naja, über die Sackgesichter, und es heißt im Grunde auch, gegen Krieg zu schreiben, weil Populisten (das hat mir eine sehr beeindruckende serbische Historikerin klargemacht, und seitdem steht es fest) IMMER auf Krieg hinaus müssen. Kleiner Krieg, großer Krieg, egal wie: Es muss Gewalt geben, anders lässt sich das Ganze nicht rechtfertigen, und die Gewalt fängt immer auch bei den Angriffen gegen die Wissenschaft an.
Den Beitrag (Teil 1) könnt Ihr über den Link unten lesen.
Nur, falls sich jemand wundert, warum auf Dunyalook kaum mehr was erscheint: Ich konzentriere mich gerade auf das aus Dunyalook herausgewachsene Projekt (mit eigener Website):
NEOPOPULISMUS
Open Science Blog | Naturräumlicher und sozialer Klimawandel im Anthropozän
Daneben schreibe ich auf Acta Francorum und Bosnien in Berlin und bin auf der Suche nach Geld, weil es ohne Geld eben auch nicht geht. Also deshalb. Ihr könntet euch ja überlegen – falls Euch die Texte nicht langweilen – Neopopulismus zu abonnieren, denn dort kommt gerade ständig was.
#neopopulismus #pseudo-umwelt #pseudo-environment #undemokratischeemotionen #neopolis #neovox
Hinterlasse einen Kommentar