Alle reden vom Stadtbild, mich plagt eher die Geruchslandschaft, um es zunächst freundlich auszudrücken. In der Rauch- und Saufhauptstadt Europas finden sich Gestänke von Drogen, Tabak, Urin, Bierscherben, Kot, nekrotösen Beinen und anderem. Das stinkt einem zu jeder Jahreszeit, in jedem Bezirk, in der S-Bahn genauso wie beim Einkauf, auf den Straßen, in den Parks und wo überall nicht. Vor selbsterklärten SozPäds mit super Lösungen wimmelt es, während die Regierung weiß, dass man gar nichts machen kann -- außer den Geldhahn zuzudrehen.
[Francorum] There is no there there, in Bamberg
Gertrude Stein ist unter anderem für diesen fantastischen Satz There is no there there berühmt geworden. Sie hat ihn produziert, nachdem sie nach langer Zeit nach Oakland zurückgereist ist, wo sie einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat. Dort waren nicht einmal der Eukalyptusbaum und die Rosen noch so, wie sie früher einmal immer waren. Früher... Continue Reading →
[Neue Medien] Teil 2: Fortwirkende Fehlinvestitionen in die digitale Infrastruktur
In diesem zweiten Teil des Beitrags "Zur digitalen Souveränität und Zukunftsmündigkeit unserer Alten: ein paar letzte Gedanken des Jahres zu den häufigsten Weihnachtsgeschenken" diskutiere ich das problematische Fortwirken wiederholter Fehl- und Nicht-Investitionen in die digitale Infrastruktur, wobei ich mich besonders für den Aspekt der Wissensvermittlung und -Verknappung durch traditionelle, vorrevolutionäre Bildungssysteme interessiere. Da Ältere in aller Regel weder Schulunterricht mit repetitiven Trainingseinheiten noch Universitäten besuchen, sind sie trotz genereller Zugänglichkeit zu Wissen tatsächlich viel stärker von subtiler Wissensverknappung betroffen als Jüngere. Die Folgen sind Überforderung, Unbehagen und Flucht in anheimelnde Pseudo-Wirklichkeiten -- mit Folgen für die gesamte Gesellschaft.
[Klima] Der CSU-Mann als Baumfreund: ein Essay in Bild- und Habitusbeschreibung
Wenn der weite und über weite Strecken unbelehrbahre Verlauf der Beziehung zwischen konformistischen CSU-Männern und Bäumen nicht tragisch wäre, dann könnte man eine aktuelle Headline mitsamt Teaser und Bild von Markus Söder im Spiegel (Spiegel 19/2021 vom 8.5.2021) auch als schalkhafte Posse verstehen: da präsentiert sich ein CSU-Mann doch tatsächlich als Baumfreund. Ich sehe darin... Continue Reading →
[Pandemos] Garnichts (Flucht in den Grunewald)
Leichter Schlaf, frühmorgendliches Wach -- dann wieder umdrehen. Den Wecker nicht respektieren: du bist nur ein Handy, dich drück' ich weg. Forcierte Wachträume: ich fahre durch ein Parkhaus für Spielzeugautos, alles auf Plastik, das könnte jetzt endlos so weitergehen. Bis das Kissen zu Stein wird. Ein plagendes Gewissen: dieses nicht gemacht, jenes nicht gemacht - aber alles gemacht haben wollen. Überhaupt, wollen: wo ein Wille, da ein Weg / wo kein Herr, da die Wege verschlungen. Bequem, daran zu denken, dass es ganz weit da draußen eine Whirlpoolgalaxie gibt: Spiralgalaxien, schwarze Löcher -- um die sich vielleicht nicht alles dreht, die aber alles in sich ziehen. Wo ganze Sonnen zu Garnichts werden. Das Wetter graut, das Wetter komplementiert, und ich glaube nicht, dass der strahlend blaue Himmel der vergangenen Tage etwas wesentlich geändert hätte, hinter meinem schweren, roten Vorhang aus Kargradsamt. Ich denke manchmal daran, wie E. früher immer gesagt hat "ich friere mich" anstatt "ich friere"; "meine Öhren" anstatt "meine Ohren", und wie E. gefragt hat "Stehst du nicht?" anstatt "Stehst du nicht auf?" Ich stehe also auf, und es besteht wieder Aussicht auf Kaffee, der zuerst schwer und alt durch seine Bialetti röchelt. Der riecht, der treibt erst in den Tag hinein. Wird es wieder ein Tag, an dem sich quasi gar nichts schafft? Von diesem gar nichts ist jener Anteil von Garnichts schon entfernt, der zwar gar nicht Garnichts ist -- der aber so erscheint, weil ihn dir niemand anrechnet. Ich ahne freilich, dass es auf genau jenes Garnichts schwer ankommen könnte -- kann und will aber wiederum gar nichts genaueres sagen. "Das möchte ich nicht", sagt eine rheinische Kunstfigur, sitzt in ihrem Bett und trinkt Kaffee. Da schwinge ich mich aufs Rad, doch da sind überall Menschen, die auch nicht wissen, wohin sie mit sich sollen. Hat kein Club, hat kein Bar -- hat aber auch kein Hemmung, hat kein Halten mehr. So quellen sie in die Klimaparks. Sie tun mir zwar beide leid, die Klimaparks, die Klimaleute: sie sind mir aber auch beide viel zu viel. Dazu das drohende, kommende Garnichts. Ich entfliehe ihm wenigstens vorher recht erfolgreich, für viereinhalb Stunden: es ist die Flucht in den Grunewald. Dort herscht ein anderes Klima, dort baden sie an, dort ist echter Wald, dort waldbaden sie.