Der russische Soziologe Grigori Judin wird hinsichtlich des Dilemmas, was jetzt zu tun ist – zumindest, wie ich es für mich verstehe – auf der gerade sehr wertvollen Seite Дekóder mit den folgenden Worten zitiert: "Das ist eine Frage ihrer Beziehung zu Gott. Wissen Sie, wir sind jetzt an einem Punkt, der bei allem, was daran einmalig ist, doch an die Ereignisse des 20. Jahrhunderts erinnert. Hannah Arendt hat dazu sehr richtig gesagt, dass es Zeiten gibt, in denen man sich eingestehen muss, dass man die Welt im Ganzen nicht ändern kann. Man muss herausfinden, wo jetzt die eigene Verantwortung liegt – was man tun muss, um weiter mit sich leben und in den Spiegel schauen zu können." Judin, der laut Дekóder am 24. Februar bei einem Antikriegsprotest in Moskau zusammengeschlagen worden ist, spricht hier Parallelen zu den Jahren 1938 und 1939 an. Seine historischen Argumente verdienen natürlich eigene Vertiefung -- aber ich sehe hier auch einen Hinweis auf die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts: genau wie damals ist heute, nur ein gutes Vierteljahrhundert später und anlässlich der Ukraine-Invasion durch das Putin-Regime Russlands, erneut von einer Zeitenwende die Rede.