[Politik] Welt und Weltlosigkeit nach Hannah Arendt

Welt, so schreibt Hannah Arendt, entsteht nur dadurch, dass es unterschiedliche Perspektiven gibt, und damit Zwischenräume, also Räume zwischen den Menschen. So verschieden die Menschen auch sind: gerade wegen ihrer Verschiedenheit könnten überhaupt erst diese Zwischenräume entstehen (auch wenn mir nicht behagt, dass sie die Teilnehmer der Welt in „Völker“ und „Volksstämme“ aufteilt). Arendt schafft jedoch das, was in meinen Augen eine besonders respektable Akademikerin ausmacht – nämlich die Verbindung zwischen unterschiedlichen Welten aufrecht zu erhalten. Ihr ganzes Schaffen ist zwar auf ein Fundament der Ideen und des Denkens gebettet, speist sich jedoch zu gleichen und zusammenhängenden Teilen aus ihrem Erleben des Zusammenspiels von „Externalitäten“ und ihrer Abstraktionen. Welt gäbe es nicht, wenn es keine Verschiedenheit der Perspektiven gäbe, und die Wahrung dieser Verschiedenheit und Äußerung von Welt ist Politik – und Politik ist Freiheit. Das heißt, der Sinn von Politik ist Freiheit, weshalb es auch überhaupt sehr wenig Politik auf der Welt gab und gibt. Welt, Politik, und Freiheit hören zum Beispiel dann auf zu existieren, wenn „Alle alles aus der gleichen Perspektive sehen und verstehen und in voller Einmütigkeit miteinander leben“. Die Menschen, die in solchen Zuständen leben müssten, wären weltlos. Um beim Beispiel unserer immer weltloseren Welt außerhalb der Akademie zu bleiben, schlägt diese Uniformiertheit der eingenommenen Perspektiven in die gleiche Kerbe wie die getriebene Einteilung in Westen und Nicht-Westen, Deutsche und Juden, Muslime und Nicht-Muslime, und derlei mehr. Nun nimmt die Wissenschaft – die Akademie – bei Arendt einen Sonderstatus in der Welt ein, was (wie immer bei der philosophisch geschulten, selbst erklärten Nicht-Philosophin) weit ausholend mit Rückgriff auf die griechische Mythologie, die Polis, die Platonische Akademie geschieht, und einer eigenen Betrachtung bedarf (-Fortsetzung und Belege folgen-)

Literatur

  • Arendt, Hannah (1959): Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik. München.
  • Arendt, Hannah (2003): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. München: Piper Verlag.
  • Arendt, Hannah (2015): Vita Activa oder Vom tätigen Leben. München: Piper.
  • Arendt, Hannah: Fernsehgespräch mit Günter Gaus, zit. nach Ludz, Ursula (Hg.)(1996): Hannah Arendt: Ich will verstehen. Selbstauskünfte zu Leben und Werk, München, Zürich: Piper, S. 57 f., zit. nach URL: http://www.hannaharendt.net/index.php/han/article/view/71/106#ftn10 (zuletzt abgerufen am 21.10.2019).
  • Arendt, Hannah (2014 [1969, 1970]): Macht und Gewalt [On Violence]. München: Piper.
  • Arendt, Hannah (2003 [1993]): Was ist Politik? München: Piper Verlag.
    Benhabib, Seyla (2006). Hannah Arendt. Die melancholische Denkerin der Moderne (Erweiterte Ausgabe). Frankfurt/M.: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft.

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